Simon Hegele Geschäftsführer Mike Winter steht mit verschränkten Armen in der Lagerhalle von Firma Simon Hegele vor mehreren automatisierten Schubmaststaplern vom Typ Linde R-MATIC.

Simon Hegele: Erfolgreicher Einstieg in die Lagerautomatisierung

Effizienz gesteigert, Prozesse gesichert

Der Fachkräftemangel in der Logistik stellt besonders für Unternehmen in ländlichen Regionen eine enorme Herausforderung dar. Der Logistikdienstleister Simon Hegele hat darauf eine zukunftsweisende Antwort gefunden: kluge und ganzheitliche Automatisierungslösungen mit fahrerlosen Transportsystemen (FTS) von Linde Material Handling.

Im bayerischen Kemnath dreht sich alles um Präzision. Hier, wo Simon Hegele einen wichtigen Logistikstandort betreibt, darf kein Weg zu weit und kein Prozess zu kompliziert sein. Schließlich beliefert das Unternehmen just-in-time die Fertigung eines weltweit führenden Medizintechnikproduzenten mit unterschiedlichsten Komponenten: vom filigranen Kleinteil bis hin zum tonnenschweren Modul für den Computertomografen. Die Materialvielfalt ist enorm, der Bedarf des Healthcare-Kunden jedoch meist nur schwer planbar – und qualifizierte Fachkräfte in der Oberpfalz denkbar rar. Wie kann Simon Hegele also den selbstgesetzten Anspruch „We make healthcare work “ dennoch tagtäglich erfüllen?

Herausforderung Fachkräftemangel: Automatisierung als strategische Lösung

Ein Blick auf die Ausgangslage: Kemnath, eine gute Autostunde nordöstlich von Nürnberg, hat mehr Industriearbeitsplätze als Einwohner – ein Umstand, der den Wettbewerb um Arbeitskräfte nicht gerade einfacher macht. Standortleiter Oliver Sitzmann bringt es auf den Punkt: „Wir sind hier komplett auf dem Land. Staplerfahrer finden wir so gut wie gar nicht mehr.“ Als im Jahr 2022 der Bau eines 20.000 Quadratmeter großen Logistikzentrums mit etwa 50 neuen Arbeitsplätzen anstand, war klar: Ohne Lagerautomatisierung lässt sich das Projekt nicht realisieren. „Wir haben von Anfang an fest an diese Technologie geglaubt“, bekräftigt Geschäftsführer Mike Winter.

Ganzheitliche Planung: Der Schlüssel zur erfolgreichen Lagerautomatisierung

Als Partner für das ambitionierte Projekt setzte Simon Hegele von Beginn an auf Linde Material Handling. „Die Ausschreibung kam im Sommer 2022 – samt Lastenheft und erstem Entwurf der Halle. Die Dimensionen und die Komplexität waren auch für uns durchaus etwas Besonderes“, erinnert sich Intralogistikberater Thomas Eußner vom zuständigen Netzwerkpartner Ernst Müller Fördertechnik.

Auf dieser Basis ging man in die detaillierte Analyse und Planung: Welche und wie viele FTS sind für den gewünschten Umschlag nötig? Wie müssen Fahrwege, Ladepunkte und Taxiplätze gestaltet sein? Auch die Bodenbeschaffenheit wurde frühzeitig geprüft, um kostspielige Nacharbeiten zu vermeiden.

Ergebnis: ein umfassendes Automatisierungskonzept inklusive virtueller Simulation. Ein Besuch bei einem Referenzkunden von Linde MH überzeugte die Verantwortlichen bei Simon Hegele schließlich vollends vom Linde-Konzept mit fünf fahrerlosen Schubmaststaplern Linde R-MATIC.

Perfekt integriert, optimal automatisiert

Bei Automatisierungsprojekten gilt: Die beste Hardware ist nur so gut wie die zugehörige Software. Der Schlüssel zum Erfolg liegt damit in der intelligenten Integration der FTS-Lösung in die bestehende Systemlandschaft. Eine Aufgabe, der sich die IT-Abteilung von Simon Hegele zusammen mit einem Integrator von Linde Material Handling widmete. Ziel war es, die physischen Bewegungen der Linde R-MATIC Schubmaststapler mit den systemischen Buchungen im Lagerverwaltungssystem so zu koppeln, dass jeder Vorgang nachvollziehbar ist. Die Linde-Leitsteuerung fungiert dabei als Schaltzentrale der Lagerautomatisierung – sie verteilt Aufträge aus dem WMS an die FTS-Flotte und meldet den Status jedes Arbeitsschritts in Echtzeit zurück. Dank intensiver virtueller Vorab-Tests überzeugt das System seit September 2024 mit verlässlicher Performance.

Effiziente Prozesse im Detail: der automatisierte Warenfluss

Doch welche Transportjobs übernehmen die fünf Linde R-MATIC bei Simon Hegele konkret? Vereinfacht gesagt geht es um das Ein- und Auslagern von rund 40 Europaletten und Gitterboxen pro Stunde. Im Detail gestaltet sich der Prozess ungleich vielschichtiger:

Die fünf automatisierten Schubmaststapler des Typs Linde R-MATIC lagern pro Stunde selbstständig rund 40 Europaletten und Gitterboxen ein und aus.

1. Erhält das Unternehmen eine Lieferung mit Vorprodukten, wird zunächst ein Label erstellt und am Warenträger angebracht, bevor dieser per Fördertechnik in die Konturenkontrolle gelangt. Dort erfolgen Scannen, Messen und Prüfen.

2. Hat die Einheit den letzten Kontrollpunkt auf der Fördertechnik erreicht, generiert das WMS einen Transportauftrag mit Informationen wie „Wer bin ich?“, „Wie groß bin ich?“ und „Wohin muss ich?“

3. Die Linde-Leitsteuerung verarbeitet diese Informationen und weist einem der automatisierten Schubmaststapler einen Fahrauftrag mit passendem Lagerplatz zu.

4. Ein Linde R-MATIC Schubmaststapler holt die Palette bzw. Gitterbox von der Fördertechnik ab und verbringt diese ins Breitgangregallager mit 22 Regalgassen.

Die Linde R-MATIC Flotte erhält sämtliche Fahraufträge vom Warehouse-Management-System von Simon Hegele.

5. Wird durch den Healthcare-Kunden Material abgerufen, startet der Auslagerungsprozess – und die automatisierten Schubmaststapler stellen die benötigten Waren für die manuelle Kommissionierung bereit.

Jede Warenbewegung wird digital im WMS gebucht. So haben die Mitarbeitenden bei Simon Hegele auf Monitoren am Arbeitsplatz unter anderem die Belegung der Abnahmeflächen sowie anstehende oder laufende Aufträge stets im Blick. Visualisiert wird zudem der Zustand der FTS-Flotte mit relevanten Informationen wie Auftragsbereitschaft, Transportstatus oder Störungsmeldungen.

Darüber hinaus erkennen die Logistikerinnen und Logistiker sofort, welches Fahrzeug gerade welchen Auftrag bearbeitet. Dabei wird nicht nur die Bewegung des FTS dargestellt, sondern auch die genaue Position des Fahrzeugs im Lager. Auf diese Weise ist größtmögliche Prozesssicherheit gewährleistet – und manuelle Eingriffe werden auf ein Minimum reduziert.

Mensch und Maschine im Team: Akzeptanz als Erfolgsfaktor

Wie in vielen anderen Betrieben herrschte anfangs auch bei den Mitarbeitenden von Simon Hegele eine gewisse Skepsis gegenüber den automatisierten Kollegen. Diese Bedenken nahmen die Verantwortlichen ernst – und begegneten ihnen unter anderem mit einer einfachen, aber nachhaltig wirksamen Idee: Das Team durfte den fünf automatisierten Staplern Namen geben. Heute sind „Hebert“, „Simon Hebele“, „Store-Me“, „Robo-Lift“ und „Hubi“ als entlastende Helfer fest im Team integriert. Das Learning: Automatisierung funktioniert am besten, wenn man die Mitarbeitenden einbezieht – mit offener Kommunikation, klaren Zielen … und ein wenig Humor.

Simon Hegele

Veröffentlicht am 07.08.2025

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